In der mündlichen Abschlussprüfung werden wir unter anderem dazu aufgefordert für fünf Minuten über ein Thema zu referieren. Das Thema wird uns erst just in dem Moment zugeteilt. Also null Vorbereitungszeit, es muss direkt aus dem Kopf kommen.
Zur Vorbereitung auf diesen Prüfungsteil verfasse ich die Themen in Textformate, so wie ich sie dann referieren würde. Das Ziel ist, das alles mit eigenen Worten zu beschreiben. Und da kommt der Blog ins Spiel. Mein zusätzliches Lernmedium 🙂
Also nun, lasst uns das Experiment beginnen.

Das Bio-Psycho-Soziale Modell
Das BPS-Modell ist ein Modell, welches die Entstehung und Aufrechterhaltung von Krankheiten zu verstehen gibt. Es umfasst drei in sich autonome und doch hierarchisch aufgestellte Ebenen:
die biologische Ebene
die psychische Eben
die soziale Ebene
Diese drei Systeme stehen in einer Wechselwirkung miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Das gibt auch zu verstehen, weshalb eine Krankheit nicht den einen Ursprung hat, sondern in einem ständigen Austausch mit den anderen Systemen und der Umwelt hat. Dem medizinischen Fachpersonal gibt dieses Modell auch zu verstehen, dass sie im Falle eines Krankheitsbildes nicht nur die körpermedizinischen Aspekte betrachten sollten, sondern stets auch den ganzheitlichen Ansatz wie in diesem Beispiel auch die psychischen und sozialen Einflussfaktoren Beachtung schenken sollten. Anhand dessen wird es möglich, einen individuellen und umfänglichen Therapieansatz mit passenden Massnahmen festzulegen.
Innerhalb der drei oben genannten Ebenen (bio, psycho und sozial) bestehen sogenannte Subebenen, die sich wiederum gegenseitig beeinflussen.
Die biologische Ebene beinhaltet die Genetik, die verschiedenen Organ- und Nervensysteme, das Gehirn und die Botenstoffe. Innerhalb dieses Systems stehen die Subebenen in einer Wechselwirkung. So zeigen diese jeweils bestimmte Reaktionen auf eine Krankheit, worauf es zu einer Adaption im Körper kommt, was sich schlussendlich bis zu den einzelnen Zellen im Organismus ausweitet. So wie dieses System sich aber von einer Krankheit negativ beeinflussen lässt, kann es im Umkehrschluss auch positiv auf eine Intervention (z.B. dem Anwenden von Entspannungsverfahren) reagieren. Aufgrund der hierarchischen Wechselwirkung weitet sich dann diese Reaktion unausweichlich auch auf die anderen beiden Ebenen aus.
Die psychische Ebene steht zwischen den anderen beiden Ebenen und arbeitet vermittelnd zur biologischen und zur sozialen Ebene. Innerhalb dieses Systems agieren, Kognitionen, Bedürfnisse, aber auch Bewältigungsstrategien, die Selbstwirksamkeit und Bewertungsprozesse. Auch hier kann die gegenseitige Beeinflussung gut dargelegt werden. So haben wir alle schon mal die Erfahrung gemacht, dass wir bei einem negativen Gedankenmuster von entsprechenden Emotionen wie der Traurigkeit, Wut oder auch der Angst begleitet wurden. Um ein weiteres Alltagsbeispiel zu nennen: Wir vermuten, zu wenig Ressourcen (zB. Zeit) für die Abarbeitung der Aufgaben auf der Arbeit zu besitzen und bewerten diese Tatsache als stressig.
Die soziale Ebene umfasst die Gesellschaft und die Beziehungen zu den einzelnen gesellschaftlichen Systemen. Darin befinden sich nebst dem familiären Umfeld, auch jenes der Freundschaften, oder das Arbeitsumfeld, aber auch kulturelle Felder und die Umwelt als Ganzes. Interpersonelle Konflikte, Rollenkonflikte in der Familie oder auf der Arbeit, aber auch Arbeitsbedingungen und Umwelteinflüsse wirken seitens dieser Ebene auf den Menschen ein und beeinflussen damit das Krankheitsbild. Umgekehrt verändert eine Krankheit das Verhalten des Betroffenen, was sich wiederum im Umgang mit seinem sozialen Umfeld zeigt. Das Rückzugsverhalten einer Person mit depressiven Syndrom ist hier ein klassisches Beispiel.

Praxisbeispiel
M.K leidet seit mehreren Jahren an chronischen Rückenschmerzen.
Die Schmerzchronifizierung, die schon seit mehreren Jahren besteht, hat sich mittlerweile schon tief in die biologische Ebene verankert. So hat sich durch die Schmerzmodulation einzelner Zellen und aufgrund der Neuroplastizität im Gehirn ein sogenanntes Schmerzgedächtnis aufgebaut, wodurch Schmerzen zu empfinden sind, die in Wirklichkeit gar nicht bestehen. Das wiederum führt zu einem erhöhten Tonus der Skelettmuskulatur und dieser zeigt sich mit weiteren Schmerzen. Nicht selten kommt es aufgrund einer Schon- oder Fehlhaltung zu einer geschwächten Muskulatur, die besonders empfänglich für Schmerzsignale ist.
Aufgrund seiner ständigen Rückenschmerzen schränkt sich die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit von M.K. mit der Zeit immer mehr ein und fokussiert sich auf das Schmerzgeschehen. Damit einhergehend entstehen Kognitions- und Emotionsmuster, die vor allem negativ gefärbt sind. Gefühle der Hilf- oder Hoffnungslosigkeit, Ängstlichkeit aber auch depressive Gestimmtheit begleiten ihn, was die Schmerzen wiederum verstärken kann. (Wechselwirkung mit biologischer Ebene)
Aus Angst vom Umfeld nicht ernstgenommen zu werden oder auch aufgrund der Erschöpfung entzieht sich M.K. sämtlichen sozialen Tätigkeiten und führt ein zurückgezogenes Leben. Gewisse Umstände auf der Arbeit wie z.B. eine eingeschränkte Möglichkeit zum Haltungswechsel beeinflussen zudem den Zustand von M.K. Im Umkehrschluss beeinflusst aber auch das schmerzgestimmte Verhalten von M.K. die Atmosphäre innerhalb des Arbeitsteams oder die Zusammenarbeit einzelner Personen.

Abschliessend bleibt festzuhalten, dass das Bio-Psycho-Soziale Modell Unterstützung in der Gewichtung der Therapiemassnahmen eines Krankheitsbildes bietet. Dabei ist stets im Hinterkopf zu haben, dass die unterschiedlichen Erkrankungen unterschiedlich ausgeprägte Einflüsse auf die einzelnen Ebenen haben. Auch reagiert nicht jeder Mensch mit seinen Systemen gleich auf eine Krankheit. Daher gilt es, bei jedem Betroffenen das BPS-Modell und die damit einhergehenden Therapiekonzepte von Neuem zu analysieren.

Noch Fragen? 🙂

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